Unsere Geschichte
Die Geschichte des Diakonissenwerkes Korbach beginnt 1878 in Guben an der Neiße – einer Stadt in Brandenburg, die heute direkt an der polnischen Grenze liegt. Dort hat der Hutfabrikant Friedrich Wilke ein Kinderkrankenhaus gegründet mit 14 Betten. Die Stiftung benannte er nach seiner Tochter Naëmi, die im 14. Lebensjahr an Typhus verstorben war. 1879 kam zur Klinik noch ein Kindergarten hinzu und weitere fünf Jahre darauf ein Diakonissenmutterhaus. Es war das erste Diakonissenmutterhaus der Evangelisch-lutherischen (altlutherischen) Kirche und beherbergte in seiner Blütezeit bis zu 90 Schwestern.
Nach der deutschen Teilung infolge des zweiten Weltkrieges entstand in Korbach ein Ableger „im Westen“. Seit 1952 bis zu ihrem Ruhestand in den 1990er Jahren arbeiteten Gubener Diakonissen in der Krankenpflege im Stadtkrankenhaus Korbach. Als rechtlicher Träger in der Bundesrepublik diente der 1959 gegründete Verein „Diakonissenwerk Korbach e.V.“ Mit ihrem Gubener Mutterhaus verblieben die Diakonissen jedoch in enger persönlicher Verbindung. Auch die Einsegnung junger Diakonissen erfolgte weiterhin in dem damals in der DDR gelegenen Mutterhaus. Nach der Wiedervereinigung 1990 waren die meisten Diakonissen betagt, so dass ein Umzug zurück nach Guben zu beschwerlich gewesen wäre. Die Wohnanlage in Korbach wurde zum Altersruhesitz. Heute lebt dort noch eine Diakonisse. Die Wohnanlage ist zum Begegnungsort vieler Menschen unterschiedlicher Herkunft geworden.


Das Wort „Diakonisse“ leitet sich her vom griechischen Wort „diakonein = dienen“. In der Mitte des 19. Jahrhunderts haben viele Frauen in der evangelischen Kirche den Dienst einer Diakonisse übernommen. Diakonissen haben ihren Dienst als Ausdruck ihres Glaubens verstanden. Gottesdienste und feste Gebetszeiten haben ihren Alltag geprägt. Sie blieben ehe- und kinderlos, lebten in der Gemeinschaft eines Mutterhauses und arbeiteten in der Krankenpflege und vielen anderen Berufen. Ihr großes Engagement machte die Entwicklung vieler moderner sozialer Dienstleistungen überhaupt erst möglich.
Heutzutage hat sich das Bild solcher Gemeinschaften an vielen Orten verändert. Auch die Berufsbilder sind vielfältiger geworden. Einige Gemeinschaften haben Männer als Diakone aufgenommen, andere haben Modelle entwickelt um Familienleben zu ermöglichen. Allen gemeinsam aber bleibt, dass sie ihr soziales Engagement als Ausdruck ihres christlichen Glaubens verstehen.

